Die Männer in Rot

Vermutlich hat er sich alt gefühlt, fand das gar nicht witzig, als sie ihm sagte: Aus der Perspektive siehst du aus wie der Weihnachtsmann. Dabei fand sie diese Perspektive schön. Wunderbar eigentlich. Hatte gerade beide Arme um seinen Hals geworfen, um sich an ihn heran zu ziehen. Ihr nackter Unterleib umschlang ihn bereits.

Gérôme_Phryne

Gealtert und abgekämpft schien er durchaus oft. Immer dann, wenn seine Gesichtszüge verbissen waren. Wenn er nach innen schaute. Aber da nicht. Nicht diese, die sie sah.
Denn mit Weihnachtsmännern hatte Phryne so ihr eigenes Ding laufen. Der erste, an den sie sich aus frühester Kindheit erinnerte, kam im Dunkeln, nur von Laternen beschienen, die Dorfstraße hinauf. Sie erblickte ihn vom Wohnzimmerfenster aus. Keine Menschenseele sonst war zu sehen. Sie war den ganzen Tag schon aufgeregt, der Erzählungen der Alten wegen, die von diesem Mann in roten Kleidern sprachen. Von einem, der immer wusste, ob man brav gewesen sei. Geschenke bringe er mit. Singen müsse man dann.
Ein wenig bang war ihr da schon. Du meine Güte! Einer, der immer wusste ob man brav war …
Wirklich bang aber wurde ihr, als sie ihn sah. Der trug eine steife Maske vor dem Gesicht. Die Augen waren dadurch wie aus Höhlen schauende. Keine Mimik. Nichts, was ein Lächeln verriet. Nein, diesem Mann wollte sie kein Lied darbieten. Wollte nicht, dass er das Haus überhaupt erst betritt. Und schon gar nicht, um ihre Ohrläppchen zu durchstechen.
Ja, das dachte sie. Sie hatte sich nämlich ihre ersten Ohrringe gewünscht und ihre Mutter hatte ihr welche versprochen. Wie sie nun aber auf die Idee kam, ausgerechnet der Weihnachtsmann wäre dafür zuständig, das vermag ich nicht zu sagen. Außer, dass Psyche immer ihre eigenen logischen Verknüpfungen macht. So knipste sie auch gleich das Licht aus, rief ihrer Mutter zu, sie werde erst wieder rauskommen, wenn der weg ist und schlug die Tür zu. Alles Beruhigen und Zuraten der Alten half nicht. Sie blieb dabei. Sie hatte ihre Entscheidung für sich getroffen.
Dem singt sie nichts vor! Nie und nimmer!
Mit den, über die Jahre noch folgenden Männern in Rot, lief es dann besser. Einen, von ihm hat sie noch heute ein Bild, nahm sie damals sogar in Schutz, als ihre Mutter und Großmutter ihn direkt ansteuerten und sich zur Brust nehmen wollten, weil sie dachten sie hätten ihn erwischt: Wie man sich als Weihnachtsmann denn nur den Bart herabziehen könne, um mit seinen Kollegen einen heben zu gehen, wo doch hier all die Kinder herumlaufen und das sehen können, die ihnen zuvor noch ihre Wünsche zugeflüstert hätten.
Wieso? Der hat doch Feierabend!
Für sie war er immer noch der Weihnachtsmann. Der heruntergezogene Bart, gleich mehrere von der Sorte und ein Feierabendbier … Nein, nichts davon hatte daran etwas geändert.
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29 Antworten zu Die Männer in Rot

  1. Bersarin schreibt:

    Es ist schade, daß Bild und Geschichte nicht gut korrespondieren bzw. zu unmittelbar aneinander assoziiert wurden. Weshalb vergaben Sie diese gute Chance Hülle, Schleier, Enthüllung, den schönen Körper und den Voyeurismus (als harter, grausamer Blick der Männer, die sich mit einem Male angesichts der unsagbaren Körperschönheit voll Schrecken abwenden müssen wie vorm Medusenhaupt) sowie eine gelungene Geschichte in ein Verhältnis zu setzen? (Von der politischen Dimension des Gemäldes sowieso zu schweigen.) Die Dramatik und Drastik des Bildes stehen in keinem Verhältnis zu der Prosa-Miniatur, die interessant beobachtet ist, aber doch einem eher alltäglichen Bereich der Daseins-Prostitution entspringt. In der von Ihnen erzeugten Anordnung entschärfen Sie Ihre eigene Prosa. Die Fallhöhe wird durch diese Korrespondenz beträchtlich. Ihre Geschichte trägt sich doch durch sich selber und die Umstände, in denen die Story steht. Oder mißtrauen Sie ihrer eigenen Prosa und benötigen ein Gemälde wie dieses, um zu unterfüttern und Ihre Prosa aufzuladen?

    Bild/Text-Anordnungen sind ein schwieriges Feld. Es erfordert ein hohes Maß an Übung, da etwas Brauchbares und vor allem auch Haltbares zu schöpfen. Esther Kinsky z.B. versucht Lyrik und Photographie (in „Naturschutzgebiet“: dort auch vom Text her völlig mißglückt und artifiziell mit Überbedeutung geladen) in eine Anordnung zu bringen und ebenso Prosa und Photo im laufenden Text ineinandergreifen zu lassen. (In ihrem Roman „Am Fluß“ nämlich: dort sehr stimmig und den Ton einer Flaneurin treffend) Es geht jedoch (meist) das eine auf Kosten des anderen. Einer der wenigen, denen diese Kombination gelingt, ist Rolf Dieter Brinkmann.

    Ich denke, wichtiger ist es, zunächst die Prosa zu schärfen. Nun sind Blogs meist Übungs- und Skizzenhefte, in denen Sätze und Miniaturen eingetragen werden, die auszubauen sind. Oder aber es startet der Blogger Versuchsanordnungen, um zu schauen: Geht das? Insofern mag meine Kritik zu harsch ausfallen. Doch andererseits sehe ich es so: Wenn man das Schreiben in einem Blog nicht ernst nimmt und nur herummacht und trallala veranstaltet, kann man es genausogut sein lassen. Denn all das Trallala trägt eben auch zur Inflation der Beliebigkeit in der Blogwelt bei. Dies wird sicherlich nicht Ihre Absicht sein wollen.

    Sind Ihnen die Details des Bildes aufgefallen? Die Farbe rot bedeutet in der Kunstgeschichte übrigens mehr als nur den Weihnachtsmann. Dieses Gemälde von Jean-Léon Gérôme eignet sich für einen Essay oder für eine verschlungene Prosa. Aber eben nicht nebeneinander: der Leser müßte von allein darauf kommen, daß Gérômes Gemälde und einzig dieses gemeint ist. Das Bild dem Text (oder dem Bild den Text) hinzuzufügen bereitet übrigens auch deshalb Probleme, weil im Textblick am Ende nur dieses großartige Gemälde haften bleibt. Ihre Prosa geht im Bild von Gérôme unter. Selbst bei Clemens Meyers letztem und großartigem Roman „Im Stein“ wäre dieses Gemälde, nur weil es eine Hetäre abbildet – naturgemäß, um es mit Bernhard zu schreiben – ein Fehlgriff gewesen.

    Ich sehe inhaltlich und auch formal sich türmende Probleme, wenn Sprache und Bild ineinander oder miteinander gehen. Denn es werden zwei sehr starke Ausdrucksmedien gepaart. Bei Paarungen jedoch ist es wie bei den Menschen: Es paßt das wenigste zusammen und die meisten merkenʼs erst, wenn es zu spät ist. Das kostet teure (Scheidungs-)Anwälte. Womit wir wieder bei dem Gemälde wären.

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  2. rotebastardin schreibt:

    Ach bersarin, aus vollstem Herzen, Ihnen, zu dem was Sie schreiben, ein NEIN!

    Dieses Bild korrespondiert exzellent mit dem Text! Sonst würden Sie es nicht sehen. Sie gehören also offenbar zu denen, die einem da kommen mit dem vermeintlichen Argument, dass manch einer seinen mehr oder minder schlechten Text mit Bildern bürstet, um ihm so ein wenig Glanz zu verleihen.

    Arg strief sich das zu überlegen.

    Anbei: Neben vielen anderen Dingen, die ich schon gemacht habe, habe ich auch mal Kunstgeschichte studiert. Und selbst wenn nicht, scheiß egal! Bersarin, ich kann Ihnen hier ne ganze Spalte Rot aufmachen, die Ihnen diese Farbe auf unterschiedliche Weise ins Pupillne wirft.

    Vermögen! Verstehen Sie das?! Nicht allein nur zugewiesener Bedeutungsbelag.

    Politisches ist Alltägliches. Um dann doch nicht davon zu schweigen. Genau das ist das Verhältnis. Sonst wäre doch die ganze Politik ein reines Zirkelstündchen in aller Privatheit für Menschen in besonderen Circumstances.

    Das ist eine kleine Episode die von Phryne als Kind erzählt. Und ich wüsste nicht, dass schon einmal jemand auf die Idee kam die tagenden areopagen Ratsherren auch mal als Weihnachtsmänner in Erscheinung treten zu lassen. Ist mir jedenfalls nicht bekannt.

    Rot steht nicht allein nur für den Weihnachtsmann, schreiben Sie. Ach was! Der Weihnachtsmann ist auch nicht immer der Weihnachtsmann!

    Sie dürfen mir glauben, ich vertraue meinen Texten und jedem Kind mehr als dem reinen Analytiker. Kinder nehmen sehr oft menschliche Umgangs- und Verhaltensweisen viel intensiver und unverblümter wahr und äußern das auch. Auf ihre Weise. Häufig sogar ohne Umschweife. Der Körper. Die Kindspsyche, die noch nicht ganz von Wissen und Bildung ummantelt ist. Nicht dass ich was gegen Wissen und Bildung habe. Im Gegenteil. Nur manch einer kommt da gerade einmal wie ein Inputoutputinformationskörper daher. Allein diese Annahme disqualifiziert Sie als ein Gegenüber, das sein Gegenüber ernst nimmt. Wie unanständig von Ihnen!

    Und? Haben Sie sich das Gemälde wirklich genau angeschaut?

    Wer wendet hier denn tatsächlich den Blick ab? Doch nicht die, die teilweise sogar ihre Hälse nach vorn recken. Phryne tut das, indem sie sich den Arm vor die Augen hält. Nicht weil sie betrachtet wird. Sondern der politischen Betrachtungsweise wegen, die da Platz genommen hat. So wie Phryne, das Kind, das Licht ausknipst.

    Aber kommen Sie weiterhin vorbei. Aiga und Hybris, bersarin, und die rotebastardin werden es immer servieren, was Sie da von sich geben. Heißt: Sie werden hier beim Wort genommen. Und zwar bei Ihrem.

    Sie sind verkniffen. Verkneifen sich Ihren Menschen.

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  3. Bersarin schreibt:

    Ach was – verkniffen. Papperlapapp. Verkniffen wäre es, Kritik sich zu verkneifen. Weshalb sind Sie so unentspannt?

    Die meisten Männer (bis auf fünf) schauen auf dem Gemälde von Gérôme auf die Frau, und zwar mit den unterschiedlichsten Gesichtsausdrücken, die für die unterschiedlichen menschlichen Regungen stehen können, und die Hetäre wendet ihren Blick ab. Aber nicht mehr lange, und es wird sich die Situation der Blicke verkehren. Das Gemälde zeigt einen Punkt kurz vor der Umkehr. (Man könnte diesen Begriff ins Griechische übersetzen. Passend. Hieraus ließe sich eine wunderbare Geschichte formen. Ganz ohne das Bild. Es entstünde von ganz allein im Auge des gebildeten Lesers.) Es geht nicht darum, wohin diese Männer schauen, sondern um das Wie. Aber damit sind wir bereits wieder bei dem Bild und nicht in Ihrem Text.

    Ich will Ihnen Ihren Versuch nicht absprechen, aber mit dem Vermögen ist es so eine Sache für sich. In Ihrem „auch mal“ liegt das Problem. Sie augmentieren Ihren Text. Das funktioniert nicht. Er lebt durch das Bild, aber nicht aus sich selber heraus. Nehmen Sie ihn ohne das Bild und was wird dann bleiben? Ein Gemälde muß im Text aufblitzen oder in ihm seine Gestalt entfalten. Das funktioniert nicht durch die äußerliche Zutat. Sie benutzen ein effektstarkes Gemälde für einen Texteffekt. Ich halte das literarisch für problematisch. Pimp my text sozusagen, um im MTV-Sound zu schreiben.

    Nähme ich Sie nicht ernst, schriebe ich Ihnen eine kleine Satire oder ein Spottgedicht in den Blog hinein. So nach dem Motto: Lieber guter Weihnachtsmann, schau mal meine Texte an.

    Wenn Sie vom Wesen der Kinder sprechen: Haben Sie selber Kinder? Wieviele?

    Inszenierte Kindheit ist keine Kindheit, sondern die Inszenierung von Kindheit. Also Literatur, Theater, Kunst. Oder Essay. Diese Differenz sollten Sie immer im Auge haben. Es gibt aber in der Tat Menschen, die verstehen es, sich zu inszenieren. Die einen durchschaubar, die anderen weniger.

    Ich werde immer einmal wieder etwas anmerken, wenn es etwas anzumerken gibt. Aber die Zeit ist eng, das Leben begrenzt. Unanständig zu sein, liebe ich. Ich bin da ganz die Hetäre. Die Frage bleibt am Ende immer, wer sich wie prostituiert.

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  4. rotebastardin schreibt:

    Ich bin völlig entspannt.

    Sich Kritik verkneifen. Wie kommen Sie denn darauf? Sie haben Ihren Kommentar hier eingestellt und ich habe ihn freigegeben. Habe bis jetzt jeden Kommentar durchgelassen. Mal sehen was die Zukunft bringt.

    Ich habe schon oft Änderungen an Texten vorgenommen. Ob mit oder ohne Kritik.

    Das Gemälde zeigt, was es zeigt. Das weitere Geschehen gibt es an Ihre neuronalen Fließfarben ab oder an meine.

    Also nochmal, wie bereits geschrieben: Ich bin in keiner Weise Ihrer Meinung.

    Ob ich Kinder habe?

    Ich arbeite zumindest ständig mit Kindern und Jugendlichen. Mein Haus steht offen für ein paar, die immer zu Besuch kommen. Und ich selbst war auch mal eins. So ziemlich das junge Ding, das sich entschieden hatte: Weihnachten dann lieber ins Wasser fallen zu lassen. Zu einer jungen Dame pflege ich sogar eine Brieffreundschaft. Die einzige, bei der ich ein Auge zugedrückt habe, die ich als Patientin kennengelernt und meine Adresse gegeben habe.

    Inszenierte Kindheit? Generell kann ich Ihnen sagen, ich denke mir Texte nie aus. Ich beziehe sie aus Erlebtem. Und wo wieder steht nun das Kindheit Text ist? Was ist das jetzt für ein Gedanke? Inszenierung. Ja! Und? Irgendwie bin ich da mehr beim Theater oder ner Performance …

    Es ist mir egal ob sich jemand prostituiert und wer es am Ende ist. Zumindest wenn er / sie es freiwillig tut. Die Hauptsache daran wäre, ob es sich für denjenigen dann auch gut anfühlt. Ob es das ist, was sie / er tun möchte. Aus meiner Theker- / Kellnerinnenzeit kenne ich einen, mit dem ich manchmal noch einen gehoben habe, der seinen eigenen Escortservice aufgemacht hat. Und dann hat der auch noch so einen Namen der eher einen literarischen Namensklau vermuten lässt. Dass allerdings die Damen auf seiner Webseite alle vorstellig werden müssen mit Angaben wie: ist Nichtraucherin, trinkt gern Sekt oder Champagner, hat studiert, reist gern, ist für mich eine Klischeeplatte. Kommt alles daher wie so manch platter Text. Da draußen findet viel mehr Inszenierung statt und ist bei so einer Erwerbstätigkeit auch wiederum notwendig. Und ich will ja auch gar nicht. Eher noch würde ich einen eigenen aufmachen.

    Text, der entsteht, ist für mich die Muse die mich knutscht. Über das Erlebte.

    Ja bersarin, wenn Sie doch, wie Sie nun bekunden, gern unanständig sind, dann lassen Sie die Hetäre doch mal raus. Ich würde Sie sofort anstellen in meinem Escortservice, als Zuflüsternde. Nur glaube ich: dazu fehlt Ihnen etwas. Ein besseres Verhältnis zu Ihrem Körper, den Sie ja, wie in der Dschungel schon stand, gerne loswerden wollen.

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  5. Bersarin schreibt:

    We agree to disagree. Ich legte meine Argumente dar. Ob Sie ihnen folgen oder nicht und was sie damit machen, bleibt unbenommen Ihre Angelegenheit. Da will ich Ihnen kaum dreinreden. Ich halte Ihre Geschichte für interessant. Und für ausbaufähig. Sie gewönne ohne Bild. Vielleicht kann es jedoch als Subtext und als untergründige Struktur mitfließen. Denken Sie immer an Lacan!

    Wenigstens haben sie nicht auch noch Vermeers „Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“ Ihrer Geschichte hinzugefügt. Als Ergänzungsbild böte es sich vermutlich an, wenn wir schon in der Kunstgeschichte uns bewegen. Sozusagen Phryne als junges Ding mit Perlenohrring. (Aber das war jetzt eher ein Scherz.)

    Da wir uns in der Welt der Texte und der Blogs befinden, scheint mir der Körper im Realen oder der reale Körper uninteressant, sofern er nicht explizit Thema eines Postings ist. Zudem gibt es eine Differenz zwischen eigentlichem und uneigentlichem Sprechen. Der Blogger Bersarin ist eine Kunstfigur. Ich gehe mal davon aus, daß sie auch mit Mephisto, Kapitän Ahab oder mit Adrian Leverkühn keine Nacht und keinen Tag verbringen wollen. Die Reifizierung von Text- und Schreibkörper ist unliterarisch. Ob Kafka wie Oliver Hardy oder wie Stan Laurel aussah, bleibt für sein Werk unerheblich. Ob ich im Rollstuhl sitze und mir dennoch meines Körpers bewußt bin, traurig an Krücken kreuche oder ein leidenschaftlicher Jogger bin, der seinen Körper jeden Tag vor Verachtung vorm Spiegel betrachtet und bestraft, ist für mein Schreiben hier und für die Inszenierung Bersarin ohne jede Bedeutung. (Thomas Bernhard etwa soll häufig vor dem Spiegel onaniert haben.) Sie verwechseln den Textkörper mit dem realen und den Schreibmodus mit dem des Lebens. Mancher schreibt, um überhaupt erst eine Persönlichkeit auszubilden, die real nur als Fragment vorhanden ist. Auch das ist als Schreibmotiv legitim. Jede Echo findet ihren Narziß und eine Bühne, die den Körper perfomt oder neu zusammenfügt wie den vom Dionysos-Zagreus. Aber das, was hinter dem Vorhang als Person oder Nicht-Person liegt, interessiert mich nicht. Man kann natürlich in einem Blog seinen Körper als Frau auch als Inszenierung einsetzen, um Leser zu finden und Traffic zu generieren (Lustiges Wort in diesem Kontext.) Auch das bleibt jeder und jedem selber überlassen. Dieser Aspekt des Körpers als realer Körper und als Autorinnenkörper ist nicht mein Ansatz – wenngleich es als Motiv interessant ist, wer in Blogs wo und weshalb bei wem liest und kommentiert und auf welch simplen Schlüsselreizen dies manchmal beruht. Bei Aléa Torik kamen dabei zwei bedeutsame und gute Bücher heraus. Immerhin – ein Werk. Sie entwickelte ein strukturiertes Konzept, das sich trägt und sie spielte mit der Weiblichkeit eines Körpers.

    Aber ich schweife ab. Sie werden für Ihren Escort-Service gewiß die passenden Begleiter oder ein Gefolge männlicher Mänaden finden. Da bin ich mir sicher. Oder es wird sich ein Service finden, der Sie engagiert, mit dem Sie am Ende denn doch zufrieden sind. Leider wird es eine moderne Variante von „Die Bakchen“ nicht mehr geben. Dafür haben die popular culture sowie die Aufklärung gesorgt. Es läuft wie beim König Midas: Alles was wir berühren, gerät profan.

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  6. rotebastardin schreibt:

    Sind Sie einfach nur schwer von Begriff?

    Weder wird mich irgendein Escortservice jemals engagieren können, noch werde ich wahrscheinlich einen haben. Wieso auch. Außerdem hat man hier dann in Umgebung schnell die Hells Angels an der Backe. Da gibt es einfach anderes, zu dem es mich eher zieht. Zumal die meisten es auch nur eine gewisse Zeitspanne durchhalten und merken dass sie irgendwann ausgebrannt sind.

    Hetären und Mänaden dürfen gerne vorbeikommen. Aber als Gefolgschaft?

    -Ja, spätestens ab hier muss ich annehmen: Sie sind schwer von Begriff!

    Sie haben doch bis heute noch nicht gecheckt, um was es mir geht. Menschen, die einem wie eine Gefolgsschleppe nachlaufen. Wie traurig das für mich wäre.

    Bersarin, mir geht es ums Gegenseitige. Oder um ein Nebeneinander. Um Un:verschämtheiten. Manchmal ums Kräftemessen. Aber nicht etwa weil es darauf ankommt, wer mehr hat oder wer unterlegen ist. Sondern weil es gut ist, wenn man seine eigene messen darf, durch jemand anderen. Der seine dann ebenso misst. Und damit meine ich durchaus auch körperliche Rangeleien.

    Und erklären Sie mir doch jetzt bitte nicht den Unterschied von realem Körper und einem Textkörper.

    Sie verkennen allerdings, dass Sie bislang noch einen solchen brauchen, um überhaupt so etwas wie Text entstehen lassen zu können.

    Die Traffic im Netz hat ihren ganz eigenen Reiz. Sicher. Sonst würde ich im Netz nicht schreiben. Gerade da, wo sie nicht sind. Körper.

    Die Herr Torik. Lassen Sie´s zu:gedeckelt. Habe das ja auch mal verteidigt. Idee und Umsetzung als solches. Doch irgendwann war ja ein realer E-Mailaustausch da, in dem Frau Torik es nicht mehr ganz so gut verstand, ihren fiktionalen Körper an den Mann zu bringen, indem sie´s an eine reale Frau brachte, bei der sie ins Schleudern geriet. Und was sie da inhaltlich anbot, fand ich dann doch völlig neben der Kapp.

    Ansonsten kenne ich diesen Menschen nicht. Vielleicht ist er ganz nett. Who knows?! Und ich vermute mal: er ist diese Schleppe längst leid.

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  7. Bersarin schreibt:

    Ach, ich glaube, Sie wissen ziemlich genau, was ich meine. Und Sie haben mich ganz gut verstanden.

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  8. Textflüsterer schreibt:

    Ein überaus bemerkenswerter Briefwechsel kommt mir ins Bewusstsein, der diametral der These entgegensteht, dass ein Textkörper mit dem Realen nichts zu tun habe. Jener Briefwechsel musste damals einer (falschen noch dazu) Vorstellung in der realen Welt weichen.

    Wenn man Kunstfiguren von der Qualität “Bersarin” genauer untersucht, kann die solchen Figuren innewohnende Ästhetik nicht verleugnet werden. Sie bedient sich eines eigenen Koordinatensystems, welches Bewegungsverläufe in ihrer Wirkung nach innen, zum Zentrum gerichtet, beschreibt. Das wird bisweilen unangemessen gedeutet, weil von außerhalb des Koordinatensystems betrachtet. Solchen Koordinatensystemen ist durchaus zuzubilligen, dass sie gültig sind und funktionieren, sofern man sich in deren Zentrum aufhält.

    Zu diesem Ergebnis komme ich, wenn ich mir überlege, welcher Bewegung die wahrgenommene Linie im jeweils eigenen Koordinatensystem entspricht und, das ist schließlich die entscheidende Dimension, weshalb die Linie plötzlich auftauchte.

    Sobald das verinnerlicht ist, wird die Vergeblichkeit klar, dem anderen Koordinatensystem Mangelhaftigkeit zuschreiben zu wollen. Dies gilt für alle Koordinatensysteme, welche versuchen, sich aufeinander abzubilden. Wenn die Vergeblichkeit erfasst und akzeptiert ist, ergibt sich im nächsten Denkschritt die Bedeutungslosigkeit der Divergenz. Ist aber in der Macht der Divergenz die Divergenz erst aufgelöst, bleibt die Macht über. Dazu indes kann und muss sich gestellt werden.

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  9. rotebastardin schreibt:

    Sie treten ja doch aus der Stille, dem Schweigen. Hallo.

    Die innige Karte. Die eigene. Das wahrgenommene Koordinatensystem des Anderen, das nicht deckungsgleich mit seinem inneren ist. Eigentlich entstehen so, aus zwei inneren Koordinatensystemen zweier Menschen, mindestens zwei neue Koordinatensysteme. Und zwar Annahmekoordinatensysteme. Wenn Sie davon schreiben, wie Sie´s begreifen, wir schrieben ja schon einmal darüber, frage ich mich, wie würde es wohl aussehen, das angenommene Koordinatensystem des Anderen, oder Ihr eigenes, das sich aus diesem ergibt? Welche Figuren es wohl zeigen würde? Und wie ist dann die eigene wahrgenommene Körperlage im Raum?

    Viel zu verzeichnendes Land auf jeden Fall: Spekulationsräume, Fantasiefelder, Weiten für Mutmaßungen. Ewige Jagdgründe. Grüne Wiesen und Büffelherden.

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  10. Aikmaier schreibt:

    @ rotebastardin&textflüsterer
    koordinatensysteme, unbedingt. doch in der „blogosphäre“ sind angenommene koordinatensysteme und jene, welche die bastardin als „innere“ bezeichnet, gar nicht schwer zur deckung zu bringen. sind doch die „personen“ im blog eben personae, masken also, oder anders: ihre „inneren“ koordinatensysteme sind ebenso angenommene wie die, welche jemand für eine(n) andere(n) im „first life“ entwirft.
    was ließe sich z.b. über bersarins koordinatensystem sagen?

    (a) hohe intelligenz und selbstreflektion; man denke: eine kunstfigur namens bersarin reflektiert in einem blogpost darüber, dass „bersarin“ eine kunstfigur sei, daher vom extra-blogosphärischen körper unabhängig etc.
    (b) historische perspektive. wer würde sich schon nach dem stadtkommandanten berlins in den 1940er Jahren benennen?
    (c) ein gerüttelt maß an arroganz (siehe auch (b)), dessen umfang sich mühelos aus dem sprachduktus rekonstruieren ließe. z.b.: Ich werde immer einmal wieder etwas anmerken, wenn es etwas anzumerken gibt. nicht etwa: „…, wenn ich meine, etwas anmerken zu können“. oder: da will ich Ihnen kaum(!) dreinreden. oder: Denken Sie immer an Lacan! (dessen werk quasi auf zuruf zu kennen als selbstverständlichkeit vorausgesetzt wird, zumindest in den kreisen, in denen er sich bewegt).
    (d) kulturpessimimus, bzw. die überzeugung, in einer zeit des niedergangs existieren zu müssen, und die nur widerwillig. siehe seine deutung des midas-mythos oben. oder das souverän-despektierliche nutzen eines „mtv-sounds“.
    (e) ein prekäres selbstbild, das mit allen mitteln aus (a) bis (d) kaschiert werden muss und, malgré-lui, doch hier und da hindurchschimmert.

    alles zusammen macht bersarin zum kundigen verfasser eines in seinen grundlinien konservativen blogs, das leser ähnlicher persönlicher anlagen anzieht, die sich freuen, endlich einmal wieder etwas stilvolles in diesem web zu lesen, das ansonsten ein deszendenz-phänomen darstellt. (ich verwende „blog“ unter zuweisung des neutrums nach deutschem sprachgebrauch: „das logbuch“.)

    soweit ist hier, vor dem vorhang, im uneigentlichen web, alles in butter. hinter dem vorhang, im realen leben, sind individuen viel schwieriger aufzuschüsseln, kommen innere und angenommene koordinatensysteme allenfalls selten einmal zur teilweisen deckung. außer für den, der sehr genau im durchschauen geschult ist. darum scheppert’s ja auch so, wenn plötzlich einheit verlangt wird zwischen dem, was auf der bühne gezeigt und dem was hinter dem vorhang gelebt wird. dafür könnte man abermals bersarin in der dschungel oder auch der „fall“ aléa torik namhaft machen. oder aber, diesmal im literarischen gewand: jutta piveckas punk pygmalion.

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  11. Bersarin schreibt:

    Zunächst einmal: Es gibt keinen „Fall“ Aléa Torik, sondern lediglich zwei gute und gelungene Romane von ihr. Diese sind interessant, nicht die Denunziationen, die manchInnen im Hintergrund anstrengen.

    Ich hätte nun gute Lust, Aiki, auch von Dir oder von An bzw. Rote Bastardin (paßt ja fein zum Herrn Bersarin: rot und Russe) ein nettes kleines feines Psychogramm anzufertigen. Ich würde das dann aber nicht in einer so blumig-triefigen Sprache daherkommen lassen. Es scheint hier irgendwie Mode zu sein, Blasses durch Zierat aufzuhübschen. Solche Küchenpsychologie aus dem Dienstbotenzimmer war aber in diesem Zusammenhang gar nicht Thema, sondern es ging mir um einen eher mäßigen Text, der sich eines Bildes bedient, um sich interessanter und wichtiger zu machen, als er es am Ende ist. Wie read An mit dieser Kritik umgeht, bleibt ihre Sache. Ich denke, sie weiß ganz gut, worauf ich hinauswollte.

    Der Name Lacan war übrigens ein kleiner Scherz, um zu zeigen, wie man aufpimpt, überhöht, sich interessant macht, ohne irgend etwas Konkretes und Substantielles geschrieben zu haben. Danke für das Tappen in die kleine eingebaute Falle. Wenigstens hast Du sie aber realisiert.

    Und noch etwas, Aiki, wen wir schon beim Sprachgebrauch sind: Nomen und Substantive schreibt man groß, ansonsten entsteht bei Sätzen wie „Der flaneur ist gut zu vögeln“ ein semantisches Problem. Mag ja voll progressiv sein, alles kleinzuschreiben. Sieht aber andererseits voll affektiert aus.

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  12. rotebastardin schreibt:

    Sie sind ne traurige Nummer, bersarin. Und ein noch viel traurigerer Mann, der sich nicht anders zu helfen weiß, als seine Aggressionen fahren zu lassen. Sie wollen Psychogramme anfertigen? In Ihrer Freizeit? Haben Sie denn nichts Besseres zu tun?

    Niemand hat Sie hier auf ein Du eingeladen, wie Sie es sich ja generell gerne herausnehmen andere zu duzen, sobald Sie ins Kreiseln geraten und sich nicht mehr einkriegen. Ebenso die Bezeichnung Aiki.

    Das wird hier desweiteren nicht geduldet.

    Keiner denunziert hier irgendwen. Alea Torik haben Sie hier auf´s Tablett gelegt. Wenn es Ihnen jetzt Leid tut, Ihres Freundes wegen, vergessen Sie nicht, Sie hausierten hier damit.

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    • Aikmaier schreibt:

      @rotebastardin:
      aber nein! nichts verbieten, bitte, und nichts nicht dulden! einfach bersarin weiter schreiben lassen, mit seinen ankündigungen, vorzugsweise im konjunktiv; seinen unentschiedenheiten, ob er Deinen text nun „interessant“ oder „eher mäßig“ finden soll; dem apodiktischen beharren auf seiner kritik ohne dialogbereitschaft; seinen insinuationen; seiner hoffnung, schließlich, als flaneur, der er ja nach eigenen angaben ist, noch gevögelt zu werden (vgl. oben, punkt (e)). das ist doch mal eine kunstfigur!

      ich stelle mich also geschlossen hinter bersarin und nehme „aiki“ als uneingestandenermaßen lobendes epitheton an (zumal ich es — aiki, nicht ein epitheton — in früheren zeiten tatsächlich des öfteren angewandt habe).

      A.

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  13. rotebastardin schreibt:

    Wassn mit dir los?

    Kümmerst du dich dann darum? Ist das eine Bitte ihn dir freizugeben?
    Kann ich das verantworten?

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    • Aikmaier schreibt:

      @rotebastardin:
      „freizugeben“? wie denn? „zum abschuss“ gar? da verstehe ich Dich aber hoffentlich ganz falsch!?! der/die/das einzige, der/die/das bersarin zu verantworten hat, ist bersarin selbst. verwechsle doch nicht bersarin, der hier kommentiert, mit dem/der, der/die/das bersarin schreibt.

      „kümmerst du dich darum?“ — nö. ich kommentiere hier ab und zu, wenn mir zu etwas (oben der denkanstoß des textflüsterers) ein beitrag einfällt. „kümmern“, warum auch? lieber doch mit einer gut bemessenen portion aiki zurücklehnen und gespannt abwarten, ob bersarin noch die psychogramme liefert… oder nicht?

      A.

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  14. rotebastardin schreibt:

    Du nimmst die Rede von der Kunstfigur also ernst?

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  15. Textflüsterer schreibt:

    @rotebastardin
    Schöne Frage das: wie es wohl aussehen würde
    Mittlerweile betrachte ich’s so, dass die eigenen spiegelnden Bewegungen, welche beobachtbares Anderes nachzeichnen, Hinweise geben. Damit meine ich nicht, bislang Verborgenes über sich selbst zu erfahren, sondern vielmehr, Impulse der Neugier zu entdecken. Wie das auch mit Ihrem Text in Kombination mit dem Bild der Fall ist.

    „Ich kenne das nicht“ wäre eine mögliche eröffnende innere Feststellung, aus der Wissensdurst entspringen kann. „Interessiert mich nicht“ könnte dagegen eine verschließende solche sein, aus der nichts erfließt. Oder: „schwacher Text“ – ebenso verschließend, indes die eigene Wertposition erkennbar festigend.

    Mit zunehmender und, wie sich das wohl gehört, teils unhübscher Lebenserfahrung tritt oft der „kenn’ich“-Effekt bei neuen Textbegegnungen auf. An solchen Stellen wird es für mich spannend. Denn die im Archiv aufleuchtende innere Figur, die „Übereinstimmung“, findet sich sogleich relativiert durch das Wissen um die Einzigartigkeit der Koordinatensysteme.

    Da Sie den Raum erwähnten: was ich zum Beispiel als Ellipse wahrnehme, zeichnen Sie tatsächlich als perfekten Kreis in den Himmel. Den Kreis kann ich mir zwar vorstellen, falls Sie ihn mir beschrieben, weil ich auch davon ein Abbild in mir trage. Sehen indes kann ich den Ihren erst, wenn ich mich neben Sie ins abenddunkle Gras lege. Soweit, so trivial. Was aber noch geschieht: durch den Kreis und an ihm vorbei schauend erkenne ich ein großes Stück Sternenfeld, das immer schon da war, ich aber nicht beachtet hatte.

    In diesem Beispiel würde sich als Konsequenz meine Körperhaltung ändern; ich würde forthin aufrechter und mit erhobenem Blick unterwegs sein, ohne das unmittelbar vor mir Seiende außer Acht zu lassen. Abstrakter beschrieben, änderte sich meine, wie Sie fragend ins Gespräch brachten, Lage im Raum. Entscheidend dabei: weil ich das so will.

    Was mich besonders interessiert, ist Intertextualität, wie ich sie an mir erlebe. Sie wissen ja, dass ich Ihnen aufmerksam zulese. Mir fiele beim Lesen Ihres Textes im Traum nicht ein, auch nur insgeheim nach der Anzahl Ihrer Kinder zu fragen. Bersarins entsprechende Wissbegier machte mir dies eindringlich bewusst. Ich erkenne für mich die Möglichkeit, die begleitend im Hintergrund wirksamen Präsuppositionen immer wieder zu überprüfen und zu ergründen, wie sich der Text läse, wären sie nicht vorhanden. Dass umgekehrt sogar die Autorin davon „befangen“ sein kann, wenn sie sich des Mitlesens eines Annahmekoordinatensystems, wie Sie’s so schön erweitert hatten, gewahr ist, weiß ich aus berufener erster Hand.

    Als kleine Randanmerkung möchte ich an die wunderbare (und wenig beachtete) Erscheinungsform von Intertextualität in der Dschungel erinnern, als sich der Löwin Beiträge in die Triest-Briefseiten schoben. (mit meinen eigenen verbindenden Textanordnungen dazu bin ich am Ende ja grandios gescheitert).

    Annahmekoordinatensystem, sehr heikel. Welches entsteht zuerst?
    Ist’s jenes der Leserin (ich gendere, nebenbei bemerkt, auf brutale Weise), ging’s jämmerlich am Text vorbei, weil er von einem Beziehungsinteresse verdunkelt wurde. Jenes der Autorin muss sich also zunächst ausformen und zwar dadurch, dass ihre Texte von der Leserin tastend befragt werden. Den Abgleich der Annahmen und die gegenseitige Erkundung von daraus resultierenden Lageänderungen vermag die Textebene nicht zu leisten, meine ich. Was aber sich auf dem vorbereitenden Weg durch Textlandschaften an geschärfter Achtsamkeit ansammelt, wirkt sich geradezu magisch auf den direkten Kontakt aus, wie ich real erleben durfte. Ich empfand das als Offenbarung.

    @Aikmaier
    Lassen Sie mich Ihren Punkt (d) aufgreifen. Bei der Figur „Bersarin“ ist zu beachten, dass sie aus dem „Grand Hotel Abgrund“ schreibt, worin sie sich auf einer Metaebene mit Adorno verbindet, dem diese Perspektive von Kritikern vorgeworfen wurde. Das verleiht der Figur eine besondere Note, um nicht zu sagen: Charakter. Nicht zuletzt daraus schöpft sie in meiner Wahrnehmung ihren ästhetischen Reiz, der im professoralen Duktus zum Ausdruck kommt. Das ist doch wunderbar ausgeformte Herrschaftssprache!

    Sie zeigen sich zumeist anlassbezogen, diese Figuren, worüber sich trefflich spekulieren ließe. Doch frage ich mich mittlerweile, ob’s wirklich der Mühe wert ist. Sie sind eben nur Figuren. Interessant unterdessen ist deren Kommunikationsmechanik, wenn man sich auf sie einlässt. Sie reagieren höchst empfindlich, wenn sie sich (durch einen Text!) affiziert wähnen. Dass sie, allen voran die Figur „Bersarin“, damit das Konzept des Textkörpers Lügen strafen, hat besonderen Witz. Wie überhaupt die Widersprüchlichkeiten, in denen sie sich zuverlässig verheddern.

    Eine andere Ebene, selbstverständlich, ist die inhaltliche. Der stellenweise auftretende Dummschwatz solcher Figuren wirkt meist ermüdend. Jedenfalls, soweit es mich betrifft. Dem trete ich nur noch entgegen, wenn ich unmittelbar davon betroffen bin, wie zum Beispiel im „Fall“ Aléa Torik. Doch ist in der Gesamtbetrachtung die erkennbare Form in der Regel bedeutender, denke ich. Das ist, ich bitte um Nachsicht, bei einer „Heidi Klum“ nicht anders, von der wirklich kunstvolle Abbildungen existieren. (dass die Abbildungen schweigen, gereicht in diesem Kontext nicht zum Nachteil).

    @Bersarin
    Aber ganz ohne jede Frage gibt es einen „Fall“ Aléa Torik. Durch seine unverschämte Email-Aktion ging nachfolgend der Bruch einer innigen geistigen Beziehung im realen Leben um Haaresbreite an mir vorüber. Sie mögen Ihre Sichtweise weiterhin als vertretbare Geschichtsklitterung wahrnehmen – ich geb’s bloß zu Protokoll und wünsche auch keine Auseinandersetzung darüber.

    (betreffend unentdeckter Flüchtigkeitsfehler wird um Großzügigkeit des Herzens gebeten)

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  16. rotebastardin schreibt:

    @Textflüsterer

    Danke.

    Sie haben eine sehr interessante und vor allem behutsame Sichtweise dem Anderen gegenüber und somit auch auf sich selbst, von der Begegnung mit ihm / ihr, Ihrer eigenen Wahrnehmung von sich, durch diese. Vorab und währenddessen. Soviel will ich Ihnen jetzt schon sagen. Und dass ich nicht wenig Lust habe diesen Kommentar teilweise aus diesem Thread herauszulösen.

    Ich schlafe jetzt erst einmal darüber. Heute mehr.

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  17. Textflüsterer schreibt:

    @rotebastardin&aikmaier

    Eine kleine Überlegung möchte ich noch zu, sagen wir, Verhaltensmaßregeln anbieten: Wir befinden uns hier in öffentlichem Raum. Öffentlicher Raum kann nur bestehen, solange er nicht durch als „privat“ zu bezeichnendes Verhalten besetzt wird. Denn was sich öffentlich verhält, wird durch Privates rücksichtslos verdrängt, der Anspruch auf freie Bewegung beschnitten. Und wo anders als im öffentlichen Raum setzt Kunst sich in Szene?

    Ich stimme Aikmaier mit Vorbehalt zu, dass Kunstfiguren lediglich geschriebene Texte sind. Zu bedenken aber ist, dass die Figur durch die [Kunst]Folie, auf der sie sich inszeniert, haltlos hindurch bricht, sobald Affektäußerungen bemerkbar werden. Da schimmert nicht, da schlägt die Lebensrealität des Schreibers durch, womit die Erscheinung der Kunstfigur inkohärent und damit unbrauchbar wird.

    Beziehen wir in die Überlegung mit ein, wie auf andere Besucher wirkt, wenn Figuren wie Bersarin sich unbeanstandet in einen Affektsumpf schrauben. An dieser Stelle greift mein Nachdenken der rotenbastardin Bedürfnis nach einem Mindestmaß an kultiviertem Verhalten. Im Gegensatz zu der Dschungel, welche trollhafte Erscheinungen als Teil ihres Konzepts verstand und noch immer versteht, hat die rotebastardin – sofern ich die Zeichen angemessen deute – solches keineswegs im Sinn.

    Mich hatte es einigen Aufwand gekostet, zu durchdringen, wie ANHs Konzept funktioniert. Bis zum Zeitpunkt der „Erleuchtung“ hatte ich mich – bekenne ich freimütig – einzweimal geärgert (diese freundliche Untertreibung möchte tunlichst nicht in Diskussion gezogen werden).

    Falls ich Ihnen mit meiner Überlegung eine Entscheidung nicht leichter – unbeabsichtigt, Ehrenwort! – gemacht habe, nehmen Sie’s bitte gelassen als kleines fieses Einstandsgeschenk, gelt.

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  18. rotebastardin schreibt:

    @Textflüsterer

    Ah, nicht Aikmaier auf den Leim gehen!

    Was bersarin hier von sich gibt, vertrauen Sie mir, entspricht leider zu 98% den Weltansichten des Mannes, der´s tippt. Von mir aus kann er gerne jetzt hier im Nachhinein, oder seit wann das für ihn gilt, auf seine Bersarinfigur beharren. Nur er kann es nicht umsetzen, die Hetäre mal tatsächlich rauslassen. Da kann ich ihm noch die ixte Vorlage liefern. Er schafft es nicht! So bricht auch nicht ab und an was durch, denn Figur und Schreiber sind recht deckungsgleich.

    Und von den Trollen ist der nicht. Für die Aiga & Hybris ebenso offen steht. Aiga sowieso. Textflüsterer, ich habe das Schreiben in der Dschungel entwickelt, zu einer Zeit, in der es dort vor Trollen teilweise nur so wimmelte.

    Kultiviertheit. Mmh, … schwierig. Ein Beispiel:

    Während ich in der Dschungel noch geschrieben hätte, bersarin, wenn ich ihn als Figur annehme, ist einer, der seinen Schwanz sucht, ihn aber nicht findet, der einfach nicht versteht mit ihm zu spielen, und das muss Figur wie Schreiber dann abkönnen, ist es jetzt anders für mich. Weil ich nun die Verantwortung für dieses Weblog trage.

    Figur oder nicht. Hin oder her. Es ist egal. Er wird beim Wort genommen. Nur hält er sich in keiner Weise an seines. Wo er zu Beginn noch vom Vertrauen in die eigene Prosa schrieb, ist es am Ende der schlechte Text.

    Allein wie er hier Sprache gebraucht ist zum Lichtausknipsen. Insofern passt er unter diesen Beitrag vortrefflich. Völlig pc, absolut im Sinne der Herren in Rot, wie Jean-Léon Gérôme sie verewigt hat. Denn es gibt ja auch noch andere Männer in Rot.

    Sprache ist etwas Wunderschönes, wenn man sich ihr und ihrer Verwendung bewusst ist. In all ihren Erscheinungsformen. Denn auch der Körper hat seine eigene, kommuniziert mit dem Körper des Anderen und durch diesen, wie Sie gestern selbst schon formulierten. (Und ich erinnere mich durchaus, dass er, bersarin, für eine gewisse Zeit, mal eine Sprache gefunden hatte, die ihn befähigte sich auch anders mitzuteilen.)

    Da fällt es mir schon schwer noch irgendetwas von ihm für voll zu nehmen. Reine Zeitverschwendung also, etwas, das nichts mehr mit Kritik zu tun hat. Denn zugelassen habe ich die Kommentare ja schließlich.

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  19. Textflüsterer schreibt:

    Ich nehm‘ das so mit, dass Bersarin keinem literarischen Spiel entspringt., merci für die Zurechtsetzung der Vorstellung; damit will ich’s lassen, noch weiter über ihn nachzudenken.

    Männer in Rot: Multi-Spezialisten, die Doppelflügeltüren krachend aufzustoßen vermögen, ohne die fragile Fracht auf dem Rolltisch zwischen ihnen zu gefährden; die Staubfontänen aus Pulverschnee mit ihren Füßen aus dem Boden zu fräsen verstehen und sich zu unregelmäßigen Zeiten ein Käppchen aufsetzen, um große Pluszeichen in den Publikumsraum zu malen, nachdem sie zuvor öffentlich und würdevoll einen gehoben hatten.

    Manche Texte verführen mich dazu, sie geräuschvoll zu schütteln. Und dann lausche ich.

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  20. rotebastardin schreibt:

    Sonderbar! Das sehe ich in den Farben des Gemäldes von Gérôme und in der Pinselführung. Multispezialisten, die sich bekappen nachdem sie´s haben ploppen lassen. Würdevoll natürlich. Klar! Männer eben! Und ich hab´s! Das sind Weihnachtsmänner mit Kufen an den Füßen! Dürfte heiß aussehen, wenn die da so schwippend und schwankend über die Eisfläche schliddern. Mit dem Auftrag die fragile Fracht nicht zu gefährden. Oh Tannenbaum! Du … Hicks … niedlicher Stern … Hicks … wann kommst du geschneit?

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  21. Bersarin schreibt:

    Danke für die Angebote, read An. Ich leckte jede einzelne Perle aus Deinem Kelch, wenn ich nicht der lose Faden wäre, der nachts in Deinem Kopf Träume wie Gespinst wob. Ich bin der, den Du in Deinem Schlaf oder kurz bevor Du gleitest Dr. Wakefield nanntest. Ich betrachte.

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    • rotebastardin schreibt:

      @bersarin

      Ich habe Sie wie genannt? Du meine Güte, haben Sie irgendwas eingeworfen?

      Bersarin, ich versuche es noch ein letztes Mal auf verständige Weise:

      Im entferntesten nicht gehen oder gingen Sie mir im Kopf herum. Ich wies damals schon darauf hin, dass ich Sie nicht kenne, kein Bild von Ihrem Äußeren habe. Ein poetischer Briefwechsel, der rein auf Projektionen basiert, der also aus privaten modifizierten Abbildern der Schreiber besteht, so etwas kann funktionieren und es hat auch wunderbar funktioniert, garantiert aber noch lange nicht mehr. Sie wollten mir Bilder von sich schicken und haben das auch getan. Haben sich mit Ihrem realen Namen bei mir vorgestellt. Und dann baten Sie um Löschung.

      Bersarin, Sie sind niemand für den ich mich körperlich in irgend einer Weise interessieren würde. Ich bin und war auch damals nicht auf der Suche. Literarische Blogs bieten sich dafür wahrlich nicht an. Dafür müssen Sie schon andere Foren aufsuchen. Wie wäre es denn z.B. mit Elitepartner.de? Oder ganz was anderes, eher so für die schnelle Tastatur- / Webcamnummer …

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  22. Aikmaier schreibt:

    @textflüsterer&rotebastardin:

    dann nehme ich das auch so hin, was kundigere über bersarin zu sagen wissen. ich habe weiter oben den eindruck — vielleicht die hoffnung — geäußert, dass die durchschlagenden affektladungen ber.s womöglich zur kunstfigur gehören. (gleich einem schauspieler, der das aus-der-rolle-fallen mit spielt). zuviel der hoffnung, womöglich. zumal angesichts seines letzten duz-kommentars, in dem aus dem stadtkommandanten projektiv der Landarzt von wakefield (does goldsmith know?) wird.

    „es lassen“, textflüsterer, vielleicht haben Sie recht: die gebotene option.

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  23. rotebastardin schreibt:

    Und ab hier ist Endegelände, bersarin. Ihren letzten Einsteller habe ich gesperrt. Sie machen sich lächerlich. Seien Sie also froh, dass es keiner weiter liest.

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  24. Bersarin schreibt:

    Ach, dann bringe ich das demnächst auf meinen Blog. Das ist auch ok.

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  25. Textflüsterer schreibt:

    Der Affektsumpf ist nicht das Problem, auch nicht das Hineinschrauben. Die fehlende Beanstandung kann zum Problem werden, wie ich schrieb (wofür die Markierung mit „nicht ok“ bereits ausreichte). Ich nehme als gegeben, dass Er die Textstelle korrekt verstanden hat.

    Bleibt also, dass Seine Anmerkung hiezu sich der Macht der Divergenz zu bedienen sucht. Die Divergenz erweist sich als aufgehoben. Bleibt die nun unverschleierte Macht über. Die aber nehm‘ ich Ihm ungerührt aus der Hand.

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  26. rotebastardin schreibt:

    @bersarin

    Hören Sie einfach auf hier weiterhin Ihre Kommentare abzuseilen, die keiner lesen will, die sich leider aber erst einmal einstellen, bis ich sie sperre. Also sparen Sie sich die Mühe Ihr Märchen im Nachhinein erzählen zu wollen. Ich habe nie um Bilder von Ihnen gebeten. Auf die ich auch nie reagiert habe. Ich erinnere eher, dass Sie welche von mir machen wollten. Aber das scheint ein wichtiger Punkt für Sie zu sein. Ist ja auch nichts Verwerfliches. Sie wollten sich zeigen und ich habe sie gesehen. Habe auch Ihre sog. „Kritik“ zugelassen. Zu den Briefen: das ist Ihr Bedürfnis, darauf immer wieder zu kommen. Das scheinen Sie bis heute nicht zu verkraften.

    Kein weiterer Platz wird Ihnen hier eingeräumt.

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