Sentences

Wozu der Lyrik ein Medium geben, wenn doch angenommen werden muss, dass niemand sie liest oder gar hört?
— Weil es die Möglichkeit eröffnet, dass sie gelesen oder gehört werden kann.
Dies ist der Äußerungsgrund der Lyrik. Nicht weniger der anderer Textformen, in der sie anklingt. Der Anlass ist sie selbst. Ein in uns angelegter, eine Sprache, die uns befähigt weitere, voraus und nebenher angenommene Welten, als ebenso mögliche in die zu geben, die sich realisierte, die wir als „eine“ wahrnehmen, obwohl sie sich für uns aus einem komplexen Netz von Zufällen, getroffenen und nicht getroffenen Entscheidungen ergibt, die auf diese sog. „eine“, vermeintlich schicksalhafte Welt, wie wir Kohärenzliebhaber sie ja gerne begreifen, einwirken.
Ich bin, um in ein Wildes zu gehen,
mir unbewusst geworden. Schreite
von mir weg im Wärmestrom.
Mit jedem Traum.
Tag für Tag.
Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Sentences veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Sentences

  1. Aikmaier schreibt:

    aus einem gespräch:
    „dichter haben den vorteil — oder die begabung –, daß sie die nicht realisierten möglichkeiten, die aber (davon bin ich überzeugt) auf die realisierten möglichkeiten, also die tatsachen, einwirken, zur sprache zu bringen. nicht alle zugleich, mal diese mal jene, aber sie können das, was die übrigen menschen vielleicht fühlen, meist aber lieber ignorieren, in worte fassen.“

    so hieß es…

    Gefällt mir

  2. rotebastardin schreibt:

    D´accordia, jaaa! Mit wem habe ich denn gesprochen?! Allerdings musst du sensibel werden. Sonst hilft dir alle Beschenktheit nix. Deswegen fallen mir solche Sentences auch nicht mehr einfach so aus der Federkappe wie manch poetischer Text. Das war mal anders. Da könnte ich wieder hinkommen aber das versaute mir das Schreiben, wie ich es am liebsten tue. Außerdem bin ich ein Schweifkopf. Was diese „eine“ für mich völlig unmöglich macht. Vielleicht aber hat jeder einmal dieses Geschenk bekommen, nur finden die meisten es nicht mehr. Oder sie wissen nicht wie man die schöne große Schleife löst.

    Etwas zur Sprache bringen. Das ist schon kein leichtes Paket, wenn ich das mal so nüchtern betrachte. Ein Glück! Dass ich selten nüchtern bin. Ich spreche natürlich vom Lebensschwips°.

    Gefällt mir

  3. Viele Lyriker:Innen oder solche, die es partout sein wollen, nähren ihr Tun ja 1:1 aus persönlichen Befindlichkeiten, was zusammen mit einem gewissen handwerklichen Können dann scheinbar ein Gedicht ergibt. Ein gutes Gedicht aber hat ein anderes Verhältnis, nämlich 1:∞, woraus sich eben das oben Angesprochene ergibt, nämlich der Anlass ganz aus sich selbst heraus. (Dagegen, gegen auch nur ein gutes Gedicht, ist die sich selbst genügende Berliner Lyrikszene als Ganzes nur ein Pups.)

    Gefällt mir

  4. rotebastardin schreibt:

    Die Szene ist ja auch die Szene. Menschen eben. Annehmlichkeiten, Unnannehmlichkeiten. Olfaktorisches. Ich kenne diese Szene nicht. Ich fliehe große Menschenmengen.

    Das Partout aber ist notwendig, glaube ich, um das Schreiben entwickeln zu können. Auch die eigene Verortung. Wo befinde ich mich? Wie ist das für mich?

    Gefällt mir

  5. Partout schreiben, malen, geigen, singen etc. zu wollen ist die eine, die Handlungszwangsebene, das Seinwollen von was ist aber demgegenüber eher einer bürgerlichen Kategorie zuzuordnen (Beruf statt Berufung) und hat mit dem Kunstwollen nichts zu tun zu haben – sonst kämen wir am Ende noch zu Zuständen, die wir leider schon haben! Scheiß Szene, scheiß Spießer!

    Gefällt mir

  6. rotebastardin schreibt:

    Ha! Ich weiß ja, Sie meinen die Stallungen. Oder: Wer kennt wen. Muss an eine Metapher von meinem Lieblingsprofessoren denken: Der Kuhstall und seine Wärme.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s