Remarque#Drei Kameraden#04

Ab etwa der Hälfte des Romans ändert sich die Färbung des Buches nach und nach: Waren die Härten zuvor auch immer wieder mit Humor ausbalanciert oder durch die hoffnungslose Lakonik der Figuren aufgefangen worden, steuert es jetzt auf ein bitteres Ende zu. Dazu bringt Remarque einen Kniff, bei dem der Leser sich die Augen reibt: Klar! denkt, Warum habe ich denn die Zeichen ebenso wenig gesehen wie der verliebte Robby? Angelegt waren sie: Pats Zartheit, manchmal Müdigkeit, ihre Aussage nach dem Krieg einmal lange liegen gemusst zu haben: Todkrank ist sie, Tbc aufgrund kriegsbedingter Mangelernährung! —  Ausgerechnet während ihrem ersten Urlaub an der See schlägt die Tb wieder zu, gerade als auch symbolisch klar geworden ist, wie Robbys Wohl, ja: sein Heil an dieser Frau hängt:

Pat kam aus dem Wasser. Sie ging gerade vor der Bahn der Sonne über dem -meer, breiter Glanz floß über ihre Schultern, und sie war so umflutet von Licht, daß sie fast dunkel davor wirkte. Mit jedem Schritt den Strand hinauf wuchs sie höher in den starken Schein, bis die Sonne des späten Nachmittags hinter ihrem Kopfe stand wie eine Gloriole. (262)

Reni_mulier amicta

Doch die „Jungfrau“ (das Mädchen!) blutet, und Rob fragt sofort nach der „Wunde“, so hilflos ist er. Nur Kösters Fahrkünste und „Karl“ bringen den behandelnden Arzt rechtzeitig zur Patientin. Der Krieg hört eben nicht auf zu wirken, und plötzlich ist Robbys Gegner weder einer der Kameraden noch einer von Pats Oberschicht-Bekanntschaften, sondern ein Tanzpartner, gegen den, steht zu fürchten, auch die Kameraden nichts ausrichten können.

Die parallel erzählten Geschichten der Nebenfiguren wenden sich entsprechend: Rosa, die Chefin der Huren, „das eiserne Pferd“, geht zu ihrem gewalttätigen Kerl zurück, sobald der aus dem Gefängnis kommt; Robby sieht zufällig Hasses Frau mit einem anderen Mann, während der ängstliche Gatte zu Hause sitzt; die Geschäfte für die drei gehen immer schlechter; Wohin kann das  noch führen? —

© Erich Maria Remarque / Kiepenheuer & Witsch 2014. || Bild: Guido Reni – Mulier amicta sole

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