Vom Kochen (Inspiriert von: El lado oscuro del corazón. Von Eliseo Subiela.)

K: Du, ich habe Hunger. Kochst du mir was?
Frau, mit der Oliverio fliegen kann: Wollte Oliverio nicht für euch beide kochen?
K: Doch. Schon. Das macht er auch gerade. Er kocht dick. Sagt: Ich koche dick!
Frau, mit der Oliverio fliegen kann: Er meint bestimmt deftig!
K: Nein, er meint dick! Und viel Fleisch.
Frau, mit der Oliverio fliegen kann: Und das magst du nicht?
K: Doch, mag ich. Aber in einer Küche muss es auch nach Raubtier riechen, sagt er. Das war schon immer so und so gehöre sich das auch für ihn. Verstehst du?
Frau, mit der Oliverio fliegen kann: Ha, ja natürlich verstehe ich! Du denkst also in seinen Töpfen köcheln …
K: Ja! Tiger, Löwen und Leoparden.
Frau, mit der Oliverio fliegen kann: Tatsächlich? Und von wo sollte Oliverio die herhaben?
K: Na vom Zirkus, der gerade in der Stadt ist. Die haben doch welche. Er kennt den Dompteur. Er mag ihn nicht. Mag sein dummes Verhalten nicht. Deswegen kocht er jetzt seine Katzen.
Frau, mit der Oliverio fliegen kann: Ja, schon möglich. Riecht es denn in seiner Küche nach Raubtier?
K: Eigentlich nicht. Es riecht nur sehr nach ihm. Also schon ein bisschen, ja. Er sitzt ja auch die meiste Zeit in ihr herum. Die Küche ist das Zentrum, hat er mir erklärt. In ihr spielt sich das Leben ab. Ist nicht die „gute Stube“.
Frau, mit der Oliverio fliegen kann: Ja, das stimmt! Die Küche ist das Herz eines Hauses. Das wärmste Zimmer in ihm. Zumindest sollte es so sein. So war das früher. Deftiges gab es da nämlich nicht nur auf den Teller, sondern auch zu hören. Die alten und jungen Weiber tratschten über ihre Männer. Deswegen sind meine Ohren auch so spitz! Das haben die alles mit in die Töpfe gegeben. Haben gewürzt und umgerührt. Manchmal wütig. Manchmal liebevoll. Aber immer leidenschaftlich. Stundenlang. Tag für Tag.
K: Bist du auch viel im Herzzimmer?
Frau, mit der Oliverio fliegen kann: Ja, bin ich. Aber ich koche nur noch selten. Koche nicht gern für mich allein. Ich erinnere mich nur noch, wie es einmal in ihm war. Oliverio und ich sind zwar zu unterschiedlichen Zeiten aufgewachsen, in ganz unterschiedlichen Häusern, aber das war etwas, das wir gleich erlebt haben. Auch ich bin als kleines Mädchen immer in der Küche herumgesprungen oder auf einen Stuhl gestiegen, um meine Nase über die Töpfe zu halten. Oh, es gibt so viele Töpfe. Unglaublich viele auf dieser Welt. Und in jedem Land duftet es anders. Wenn du also ein Land kennenlernen willst, dann musst du auch in seine Töpfe schauen. Schauen, wie der Dampf aus ihnen emporsteigt. Den Duft ganz in dir aufnehmen. Und natürlich solltest du auch probieren.
K: Wie es wohl duftet, wenn du kochst?
Frau, mit der Oliverio fliegen kann: Los, geh´ wieder zu Oliverio! Die Raubtiere warten. Nimm diese Mohrrübe mit und sag´ ihm, du bringst ihm meine Nase. Und das nächste Mal, verspreche ich dir, darfst du deine Nase über meine Töpfe halten.
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