Winter

In mich gedreht, steige ich gewebige Treppen hinauf und hinab,
gehe entlang poriger Wände.
Haut. Dunkelheit. Schatten. Helle.
Falten, Öffnungen, Spalten, Flüssigkeiten.
Zarte Flächen. Raue Flächen. Glatte Flächen.
Hartes und Weiches.
Risse, Wunden und Narben.
Eine verheilte Flechte.
Mein Nabel. Mein Mund.
Ungeduscht alles wahrnehmen, spüren. Sich dranlegen, drauflegen, reinlegen. Die Hände: auch Augen. Die Füße: auch Hände zum greifen und vorfühlen. Gerüche und Talg.
Sich anziehen und gehen. Nicht sprechen. Nur gehen.
Der Drang zu gehen. Nicht rennen, nicht joggen, nicht wandern. Gehen. Lange gehen.
Die Beine wieder zu Beinen werden lassen. Mit dem Körper Räume wahrnehmen. Berufskrankheit?
Nein, Erinnerung an Kindertage. Tage des Laufens. Einem Zweimetermann hinterher. Durch viele fremde Städte gefolgt. Eine andere Sprache gehört, ein anderes Land gesehen und gerochen. Fremdgegessen. Fremdgetanzt. Weit gelaufen, um Gast zu sein.
Gelaufen, nicht gegangen.
Der Mund, die Hände zum Benutzen. Messer, Gabel, Löffel.
Die Füße nebeneinander gestellt.
Der Hintern eine Zeit lang Sitzfleisch.
Sich verabschieden und gehen.
Heimkommen. Die Tür aufschließen. Die Treppe steigen.
Die Tür aufschließen. Das Licht auslassen.
Eine Kerze anzünden.
Den Stuhl vorziehen, sich auf die eigenen von hinten in die Hose geschobenen Hände setzen: trifft Kaltes auf warmweichen Schinken.
Gutfest!
Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Psyche und Soma veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s