Nigredo#02

Heute morgen erwacht und, zum ersten Mal seit langem, noch ein klares Echo des letzten Traumes gehabt: oder nur einer Szene daraus. :: Ich habe eine Edition vor mir, aufgeschlagen (eine aus dem eigenen Haus?), der blaugraue Schutzumschlag erinnert mich unwillkürlich an Thomas Brasch. Ich blättere und erkenne, dass es ein Faksimile sein muss. Faksimile von mit Kugelschreiber verfassten Einträgen, sehr undeutlich, hastig. Verschiedene Farben auf einer Seite, als wäre dem Autor nach ein, zwei Notaten jeweils die Tintenpaste ausgegangen. Manches konnte ich entziffern, hatte im Wachen aber keine Erinnerung mehr daran. „Wer macht so ein Buch?“ musste ich unwillkürlich denken, „– heute noch.“ (Als hätte mir persönlich jemand solch ein wahnwitziges Angebot unterbreitet.)

Kuli_schwarz

Stumm seit einem halben Jahr, scheint mir diese Lappalie das erste Ereignis zu sein, dass sich für aiga & hybris lohnt. Was gab es dazwischen? :: Eine Beerdigung – einen Leichenschmaus – Kümmern um die mehr oder minder kleinen Neffen (die Neffen, wohlgemerkt, denn die Schwägerin-Witwe ist vor allem letzteres und damit „draußen“ (wo kommt nur diese hartnäckige Praxis her, Witwen als Parias zu behandeln (vom Dorf?))) – subjektiv keine Zeit für irgendetwas, das ich mein Eigenes nennen könnte, während die Frau zum Italienischkurs ging (denselben seit 10 Jahren – viel Gerede über die S.-W. (nur einen Monat dauerte es, bis – ich hatte schon darauf gewartet – die Frau beim Frühstück mit spitzem Blick bemerkte: „die armen Jungs; sie hätte sich ja anders entscheiden können, dann wäre vielleicht…“ (Anspielung auf die Intensivstation – Brechreiz meinerseits)) – Arbeitarbeitarbeit, also: Kramkramkram – zuletzt Krankheit:: Bronchitis und Sinusitits halten mich von der Arbeit und die Frau von mir fern („Sofaquarantäne“ – ich, versteht sich).

Und so sieht nur der Mikrokosmos des eigenen kleinen Daseins aus. Wer auf den Makrokosmos schaut, etwa ein Europa, in dem es über die letzten sechs Monate an allen Ecken gebrannt, gebröckelt, geputscht und gehetzt hat, der muss an Korrespondenzen glauben.

… Doch da ist er wieder, der Schreibdrang.

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